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Heimatbuch 4

Berolzheim damals und heute (Heimatverein Zehntweghütte e.V., 2009)

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

es ist ein weiteres hoch interessantes Buch in der Gemeinde Ahorn erschienen.
Dieses mal aus unserem Ortsteil Berolzheim. Wie der treffende Titel bereits
erahnen lässt ein fast unerschöpfliches Werk einer ganzen Epoche.
Die Zusammenstellung von Wilfried Häffner in Zusammenarbeit mit der
Vorstandschaft des Heimatvereins Zehntweghütte e. V. wird umfangreich mit
Bildern aus aktueller und vergangenen Zeiten reichlich mit detaillierten
Texten dargestellt. Nicht nur für ansässige Bürger, sondern auch für den
neutralen geschichtlich Interessierten eine spannende Leküre!
Über das Inhaltsverzeichnis eines durchaus gelungenes Werkes
können Sie etwas eintauchen in die Faszination dieser Lektüre.

Das Buch ist derzeit für (UVP) 23,- € + Porto über den  Heimatverein Zehntweghütte, 2009)

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihre Gemeinde Ahorn.

Buchdeckel Berolzheim damals und heute

Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis

Vorwort

" Aus dem Verständnis für die Vergangenheit erschließt sich uns die Heimat. Es gilt also, Vergangenes von dem Ort in
dem wir leben und den wir lieben zu erforschen und zu bewahren. Dieser Grundgedanke war der Antrieb, der den
Heimatverein zur Einrichtung eines Heimatmuseums und zur Erstellung dieses Buches beflügelte.
Ein vorzügliches Hilfsmittel zur Dokumentation von schönen und unschönen, großen und kleinen Ereignissen oder
Sorgen und Mühen, sind Bilder.
Nach eifrigem Suchen und Sammeln der Bilder durch die Vorstandschaft sowie Befragen der alteingesessenen, älteren
Einwohner und dem Nachforschen in Archiven, Pfarrbüchern und Fachliteratur, kann nun, durch die Beratung und
Unterstützung von Dr. Elmar Weiß, dieses Buch vorgestellt werden.
Es ist sicher verständlich, dass nicht alle Bilder aufgenommen werden konnten und eine Auswahl getroffen werden
musste. Infolge ihrer hohen Aussagekraft wurden auch Fotos minderer Bildqualität eingearbeitet.
Über Kriege wurden schon viele Bücher geschrieben. Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich hierüber nur die
Ereignisse ausgewählt habe, die sich auf Berolzheim beziehen bzw. für unseren Heimatort vergleichbar sind oder
auswirkten. Sicherlich werden auch manche ältere Einwohner darüber verwundert sein, dass ich Ereignisse
eingeflochten habe, die sich vor nicht allzu langer Zeit zugetragen haben, bzw. Brauch waren. Dabei sollte man aber
bedenken, dass schon die heute Dreißigjährigen nicht mehr wissen können, wie es 1970 zugegangen ist.
Die Idee ein Heimatbuch zu erarbeiten wurde eigentlich durch Herrn Hartwig Straub erweckt, der die
Zusammenstellung eines Bildbandes in Erwägung gezogen hatte. Nachdem Dr. Elmar Weiß seine Unterstützung
zugesagt hatte, wurde der lang gehegte Wunsch in die Tat umgesetzt. Ihm gilt mein besonderer Dank für seine selbstlose
Hilfe und Unterstützung und den Zeitaufwand, den er für uns geopfert hat.
Viele haben geholfen durch Wort und Tat. Allen sei hier herzlich gedankt. Für ihre Unterstützung bedanke ich mich
jedoch auch ganz herzlich bei Herrn Werner Ruppert, den Frauen Margaretha Rank und Maria Schwarz sowie meinen
Kollegen von der bisherigen Vorstandschaft des Heimatvereins Zehntweghütte e.V., den Herren Konrad Stumpf, Klaus
Weisenseel, Rainer Göller, Frau Martina Hopf und Ortsvorsteher Gebhard Zimmermann sowie den neuen
Vorstandsmitgliedern Frau Kerstin Noe und insbesondere dem Vereinsvorsitzenden Herrn Frank Rupp, der die Bilder
eingescannt und mir bei Computerproblemen und bei der Endmontage zusammen mit Frau Hopf, sehr geholfen hat.
Ganz besonders aber danke ich meiner Ehefrau Annemarie, die durch meine Arbeit an dem Buch auf vieles verzichten
musste, für ihr Verständnis und Ihre Geduld und meinen Kindern, die mir das Arbeiten mit dem PC beigebracht haben
und zusammen mit Ihrer Mutter manche Laune von mir geduldig ertragen haben.
Da dieses Buch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann hoffe ich, dass es wenigstens ein Anreiz
zu weiteren Nachforschungen ist, die mehr Licht in das Dunkel der Berolzheimer Geschichte, insbesondere der
Vorgeschichte, bringen. "

Wilfried Häffner
Ehrenvorsitzender Heimatverein Zehntweghütte e.V.
Inhaltsverzeichnis

Mundart

"Obwohl zum Regierungsbezirk Nordbaden gehörig, gleicht die Berolzheimer Mundart doch mehr der fränkischen
Sprachlandschaft als der badischen. Die baulandfränkische Umgangssprache unterscheidet sich von Ort zu Ort
geringfügig. So wird im Berolzheimer Sprachgebrauch vielfach das „S“ zum „Sch“, das „A“ zum „O“, das „E“ zum „E-i“
(Ä-i) usw. Als kleine Kostprobe sind nachfolgend einige Beispiele aufgeführt:
Monscht = meinst, hoscht = hast, bischt = bist, konscht&xnbsp; = kannst, i gäih = ich gehe, es dut wäih = es tut weh, muscht =
musst, Zole / Zone = Körbchen / Korb, Äbiern = Kartoffel, Schlupfe = Schlaufe, nuff = hinauf, nunner = hinunter,
Öpfel = Äpfel, Stoo = Stein, Ärbet = Arbeit, huddeli = zerrissen oder schlampig, Plootz = Blechkuchen, Wäid =
Brandweiher, Hoffert = Bauernhof / Anwesen, Houf = Hof, Saldot = Soldat, Zelot / Salot = Salat, Hühle = Huhn,
Göigel = Gockel, Gorweddel = Schneewehe, zackern = pflügen, Kischel = Hagel, Frau = Frau, Herle = Großvater, (bei
Höflichkeitsanreden von jungen Personen an ältere ist Boosch = Frau und Vetter = Herr), Hembier = Himbeere,
Brummeldern = Brombeeren, sodi = solche, nischte = niesen, äbber, = aber."
Einen kleinen Einblick in unsere Muttersprache vermittelt auch das nachstehend abgedruckte Berolzheimer Lied:

Das Berlscher Lied

Is denn des Madle sou orich reich, orich reich,
weil`s en Graddel sou hot.
Welle mer mol zum Vodder gäi, Vodder gäi,
gucke was Madle hot.

Es Madle hot e Äckerle, Äckerle
hinnerm Schillschter Wech;
wills kon Bauer mehr zackern, zackern,
es Wasser schwemmt alles eweg.

Es Madle hot e Gärtele, Gärtele
un e schöns Häuschle debei;
et Rebe die woxsche zum Fenschter näi, Fenschter näi
und Bube die rutsche druf näi.

Wenn i am Sonntoch ins Kirchle näi go, Kirchle näi go,
zieh i mäin Spitzfrack ooh,
wenn i mäi Madle vun Weitem seh, Weitem seh, guck i kon Pfarrer mäi ooh

Wenn mi mäi Madle go nimmi moch, go nimmi moch,
nemm ich mir zwa odder drei,
setz i mäi Hütle tirolerisch auf,
busier i halt widder aufs neu.
Inhaltsverzeichnis

Beleuchtung

" Als Beleuchtung verwendete man bei uns - bis zum Anschluss an das öffentliche Elektrizitätsnetz in den Jahren 1911
bis 1915 - Kienspäne, Tran („Tranfunzel“), Talg-, Öl-, Kerzen-, Petroleum- und Karbidlampen sowie Leuchter
und Laternen aller Art. Kerzen aus Bienenwachs konnten sich nur die Kirche und der Adel leisten. Erst nach der Erfindung
der Stearinkerzen 1818, bzw. Stearin-Paraffin-Kerzen 1830 kamen Kerzen im Laufe von Jahrzehnten auch bei
minderbemittelten neben Öl- und Petroleumlampen in Gebrauch.

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts entfachte man das Feuer mit Feuerstein (Pyrit oder Markasit = Eisen-
Schwefel-Kies), Stahl und Zunder. Der Zunder bestand anfangs noch aus, wahrscheinlich uringetränkten, getrockneten,
pulverisierten Baumpilzen, Holzstaub oder Stoffresten, die später durch einen mit Salpeter getränkten Feuerschwamm
ersetzt wurden. Ich kann mich noch gut erinnern, wie sich die Onkel Edmund und Ignatz über ihre Kinderzeit
unterhielten und den Gestank erwähnten, den das Schwämmchen verursachte, wenn die damals„älteren Männer“
damit ihre Pfeife anzündeten.

Mit der Herstellung von Zündhölzern wurde viel experimentiert und erfunden. Nach vielen giftigen und gefährlichen
Produkten schafften doch letztendlich die Sicherheitszündhölzer, die der Frankfurter Christian Böttger 1848 erfand, als
„Streichhölzer“ den Durchbruch auch zu den Bauersfamilien. Nachdem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Elektro- und Gasherde, sowie vollautomatische Zentralheizungen die Holz- und Kohleherde und -öfen weitgehend
abgelöst haben und schon 1911 in Berolzheim elektrisches Licht brannte, sind Laternen, Kerzen und Streichhölzer
in den Haushalten nur noch für den Notfall oder romantische Zwecke vorhanden. Die praktischen und billigen
Gasfeuerzeuge ersetzen in den meisten Fällen die Zündhölzer."
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Sonntägliche Vergnügen

"Zu den schönsten Erinnerungen zählen die warmen sonntäglichen Sommerabende, wenn sich die Eltern vor dem Haus
sitzend mit den Nachbarn oder Bekannten unterhielten und wir Kinder auf der Straße spielten. Als Sitzgelegenheit
diente den Erwachsenen dabei alles, was dafür geeignet war, wie Bank, Stühle, Bretter- oder Leiterwagen, ja sogar die
Sitze der Mähmaschine mussten herhalten.

Bei den Buben war auch das „Vogelstüren“ (Vogelnestersuchen) während der Brutzeit eine sehr beliebte
Freizeitbeschäftigung. Das besondere Interesse dabei galt den Krabben (Krähen), Weihen, Bussarden und Hätzen
(Elstern), deren Eier gebraten und verspeist wurden, sofern sie nicht angebrütet waren. Flügge Rabenvögel, inklusiv
Eichelhäher und junge Eichhörnchen wurden auch gerne mit heim genommen, großgezogen und so weit wie möglich
gezähmt. Auch schon in der Zeit, als es noch keine oder nur wenige Motorfahrzeuge gab, haben die jungen Burschen
den Mädchen nicht nur gerne nachgesehen. Üblich war an schönen Sonntagen ein gemeinsamer Spaziergang
in Gruppen. Man setzte sich irgendwo am Straßenrand auf Baumstämme oder auf Teppiche im Schatten eines Baumes und
versuchte unterhaltsam zu sein. Oft hatte einer der Burschen eine Mundharmonika oder ein anderes Musikinstrument
dabei, sodass auch das Tanzen geprobt wurde. Erschien dann der, um das Seelenheil seiner Schäfchen besorgte Pfarrer
Müller in der Ferne, wurde regelmäßig „Seht ihr net do künnt er, große Schritte nimmt er...“ gespielt, so wird erzählt.
Wie die jungen Leute, so gingen auch die Bauern mit ihren Familien oder auch allein sonntags gerne spazieren und
begutachteten bei dieser Gelegenheit den Zustand ihrer Aussaaten auf den Feldern. Wenn die Finanzen dies erlaubten,
trank man anschließend in den Wirtschaften gern ein Viertele Wein oder einen Schoppen Bier. Dort trafen sie dann
auch die älteren Herren, die nicht mehr gut zu Fuß waren."
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